Chiropraktik, Akupunktur, Goldakupunktur: Ganzheitliche Schmerztherapie bei Katzen – zwei Fallbeispiele

Katzen sind keine kleinen Hunde. Hunde und Katzen sind nicht nur im Verhalten, auch z B im Stoffwechsel, Energiehaushalt und im Körperbau völlig verschieden. Katzen sind im Verhältnis zu Hunden im Sprint wesentlich schneller, sprungkräftiger und wendiger, dafür nicht so ausdauernd. In der Biomechanik verschiedener Hunderassen gibt es bereits große Unterschiede. Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass eine Bulldogge anders läuft als ein Airdale Terrier und dieser wiederum anders als ein Pudel. Allen Hunden gemein ist aber die auf hauptsächlich Laufen geprägte Bewegung mit mehr oder minder ausgeprägter Sprungkraft und Wendigkeit.

Hunde und Katzen unterscheiden sich hier jedoch auch in grundlegenden Dingen. Während Hundeartige hetzend, also laufend jagen, jagen Katzen durch Stillhalten, Ducken und Sprung.  Das erreichen sie durch ein leichteres, filigraneres Skelett, einer viel stärker auf Sprung als auf Ausdauer ausgelegten Biomechanik und anders zusammengesetzten sowie sehr kräftigen Muskelfasern und Faszien.  Während akute Abszesse und eitrige Entzündungen der Unterhaut und Muskulatur, zum Beispiel durch Bissverletzungen, bei Katzen im Gegensatz zum Hund ganz schnell zu starken Lahmheiten führen, sind Knochenbrüche, Arthrosen und Wirbelsäulenbeschwerden bei ihnen nicht so leicht als Lahmheit zu erkennen. Denn Katzen springen auch noch mit einem Beckenbruch über den Zaun oder Oberschenkelbrüchen auf den Baum.

Während Hunde mit sog. Spondylosen, also Verknöcherungen an der Wirbelsäule, schnell unbeweglich werden und mit den Hinterpfoten über den Asphalt schleifen, sieht man das Katzen durch ihr Bewegungsverhalten nur an, wenn man ein sehr geschultes Auge dafür hat. Ein wichtiges Indiz, dass etwas an der Wirbelsäule nicht in Ordnung ist, ist, dass das Fell am hinteren Rücken zunehmend verfilzt, weil die Katze nicht mehr in der Lage ist, sich dort zu putzen.

Allein der Unterschied zwischen Hund und Katze ist ein eigener Blogartikel wert. Vielleicht schreiben wir den auch noch einmal. Aber heute geht es um die Katze. Das subtile Wesen, dass nur verschlüsselt mit uns spricht.

Anhand zweier völlig unterschiedlicher Fallbeispiele möchten wir hier einmal demonstrieren, was alternative Diagnostik, Chiropraktik, Akupunktur und Goldimplantation bei Katzen zu bewirken vermag.

 

  1. Mia, felines Hyperästhesiesyndrom durch Spondylosis,

Zunächst übersetzen wir mal das Medizinerlatein: Mit dem Wort „Syndrom“ fassen Mediziner  verschiedene Krankheiten nicht anhand ihrer Ursache, sondern ihrer Symptome zusammen, weil man manchmal die Ursache, nicht herausbekommt.  Das „feline Hyperästhesiesyndrom“ ist also keine Krankheit. Es ist ein Syndrom, bei der die Nerven überreagieren, d. h. buchstäblich „mit den Nerven zu Fuß“ sind.

 

mia2020

Mia, eine eigentlich sehr agile, schmusige, mittlerweile nicht mehr ganz so junge Katzendame hatte in ihren jungen Jahren einen Unfall, bei dem sie sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zuzog. Dieser wurde erfolgreich operiert und Mia lebte einige Jahre bis auf eine kleine unrunde Bewegung hinten völlig beschwerdefrei. Vor ca. fünf Jahren begann sie, aus dem Schlaf heraus aufzuspringen, und schreiend wie ein geölter Blitz durch die Wohnung zu schießen. Anfangs nur ab und an, steigerten sich die „Anfälle“ zunehmend, bis sie zum Teil mehrmals täglich auftraten. Ein Röntgenbild brachte zutage, dass Mia eine sehr schmerzhafte Entzündung und eine Spondylose im hinteren Rückenbereich hat, also eine Verknöcherung an der Stelle, an der sowohl sehr viel Bewegung, als auch sehr viel Schub aus den Hinterbeinen auf die Wirbel trifft.

   

Durch die Veränderungen wurden die Nerven an ihren Austrittstellen aus der Wirbelsäule eingedrückt. Irgendwann hat ihr Schmerzgedächtnis sich das gemerkt und reagierte immer heftiger mit diesem starken, stechenden Schmerz, der Mia auffahren lies. Sie bekam zunächst einen Entzündungshemmer verordnet, der zumindest etwas Linderung brachte, mit der Zeit aber immer weniger half. Ein zweites Schmerzmittel brachte insoweit Besserung, dass Mia für 12 Stunden Ruhe fand, aber auch immer sehr träge und benommen war. Für den Umgang mit ihr in der Praxis war das eigentlich nicht schlecht, denn Mia ist beim Tierarzt, nun, sagen wir, etwas schwierig… Trotzdem, verschiedenste Bemühungen, ihr mit Chiropraktik oder Akupunktur zu helfen, schlugen fehl, denn derlei Behandlungen vereitelte sie im Krallenstreich.

 So bekam Mia über einen Zeitraum von 2 Jahren täglich zwei verschiedene Schmerzmedikamente, um durch den Tag zu kommen. Es war abzusehen, dass das nicht mehr lange helfen würde.

Im Frühjahr dieses Jahres entschlossen sich die Besitzer zur Goldakupunktur. Goldimplantationen und -akupunkturen sind bei Hunden sehr bekannt. Katzen werden jedoch weitaus seltener goldimplantiert.  Mia wurde in Narkose gelegt und bekam mittels sogenannter RAC-Pulskontrolle an verschiedenen, reaktiven Stellen rund um das Problemgebiet und an Akupunkturfernpunkte kleine Goldstückchen gesetzt.

 miagold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Goldakupunktur werden Goldstücke auf RAC-reaktive Punkte gesetzt. Das sieht auf dem Röntgenbild häufig sehr ungeordnet aus, hat aber den Vorteil, dass man oft mit weit weniger Goldimplantaten auskommt als bei der klassischen Goldimplantation.

 

Trotz tiefer Narkose konnte man die Entspannung der an der Wirbelsäule entlanglaufenden Muskeln direkt beim Setzen der Goldpartikel gut verfolgen. Nach kurzem Aufenthalt auf der Aufwachstation wurde Mia noch am gleichen Tag nach Hause entlassen. Ihr Zustand besserte sich innerhalb kurzer Zeit. In den folgenden Tagen wurde jedoch zunächst nichts an der Medikamentengabe verändert. Nach drei Wochen wurde das müde machende Schmerzmittel schrittweise abgesetzt, das andere folgte dann nach weiteren sechs Wochen. Nach drei Monaten nahm Mia keine Medikamente mehr regelmäßig ein. Heute, ein halbes Jahr später, lebt Mia fast komplett ohne Tabletten. Sie läuft hinten immer noch unrund und braucht alle drei Wochen ihren Entzündungshemmer für einen oder zwei Tage. An den anderen Tagen ist sie aber medikamentenfrei fängt wieder Mäuse und macht die Nachbarschaft wieder unsicher.

 

  1. Jakob, chronische Verstopfung durch starke Dickdarmerweiterung (Megacolon)

Jakob ist ein kastrierter, sehr schlanker Kater, der in den letzten Monaten immer wieder Verstopfungen hatte und häufig nur mithilfe von Klistieren und Ausräumungen überhaupt Kot absetzen konnte. Auch der Harnabsatz war gestört.

Das Röntgenbild zeigte eine krankhafte Erweiterung des Dickdarms, durch die der Nahrungsbrei nicht mehr weiter transportiert wurde, so dass der Kot immer härter wurde und sein Absatz phasenweise gänzlich zum Erliegen kam. An der Wirbelsäule waren im Röntgenbild keine auffälligen Veränderungen erkennbar.

 jakob

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Röntgenbild sind deutlich die zu großen, steinharten Kotkugeln zu erkennen.

Bei der Erstvorstellung zur Chiropraktik gab die Besitzerin auf Nachfragen an, dass Jakob schon lange nirgends mehr hochspringt, sondern immer eher klettert. Bei der Untersuchung fiel eine starke Veränderung der Haarstruktur im Verlauf des Rückens auf. Obwohl Jakob weiß Gott schon viele schmerzhafte Tierarztgänge in den letzten Monaten hinter sich gebracht hatte, ist er auch heute noch immer ein sehr umgänglicher, lieber, anhänglicher Kater.

Zunächst wurde Jakobs Futter umgestellt. Er bekam eine spezielle Diät und mehrmals täglich etwas Milchzucker. Zusätzlich wurde ihm ein Schmerzmittel verordnet. Beides brachte etwas Linderung, aber längst nicht so, wie man es erhofft hatte. In mehreren Chiropraktik-Sitzungen wurde seine Wirbelsäule, die sich unter den Händen als stocksteifes Rohr entpuppte, von hinten bis vorn mobilisiert. Sein Zustand verbesserte sich langsam, aber stetig. Relativ schnell konnte er wieder besser springen, die Abstände zwischen den Verstopfungen wurden immer größer und nach zwei Monaten konnte er wieder vollauf selbständig Kot absetzen. Den Milchzucker braucht er mittlerweile nicht mehr. Trotz schrittweiser Zurücknahme der Schmerzmitteldosis ist es bisher noch zu keinem Rückfall gekommen. Das Fell ist mittlerweile fast über den gesamten Rücken wieder glänzend und glatt und er hat hinten deutlich an Muskelmasse zugelegt.

 jakob1 2  jakob2

Zu Beginn der Behandlung vor drei Monaten.  Die veränderte Fellstruktur ist deutlich zu erkennen.

Jakob heute. Das Fell ist wieder dicht, er hat deutlich an Muskulatur zugelegt.

 

Jakob wird Zeit seines Lebens ein anfälliger Kater bleiben, denn der Darm ist nachhaltig geschädigt und wird sich nicht mehr vollständig erholen können, Ziel ist, alle Arzneimittel auf Dauer so weit zurück zu fahren, dass er keinen Rückfall bekommt. Ob er jemals ganz ohne Medikamente auskommen wird, bleibt abzuwarten. Der Anfang ist auf jeden Fall gemacht. Regelmäßige Chiropraktik, Akupunktur und strenge Diät werden helfen, seine jetzt wieder sehr gute Lebensqualität aufrecht zu erhalten.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den Besitzern der beiden Tiere ganz herzlich bedanken, dass wir Ihnen das berichten und die Bilder zeigen durften. Wir möchten allen Katzenbesitzern damit Mut machen, nicht aufzugeben, auch wenn manches ausweglos scheint.

Katzen haben sieben Leben, sagt man. Ja, da ist was Wahres dran.

 

 

 





Kontaktaufnahme

Kleintierpraxis im alten Bahnhof

Bahnhofsallee 12

31840 Hessisch Oldendorf

Tel.0 51 52 - 52 85 11

Fax0 51 52 - 52 70 280

E-Mail info@tierarzthessischoldendorf.de

Termine nach Vereinbarung

Mo, Di, Do, Fr 9 bis 19 Uhr

Mi 9 bis 12 Uhr


Futter- und Medikamentenverkauf

Mo - Fr 9 bis 10 Uhr

Mo, Di, Do, Fr 17 - 18 Uhr

und nach Vereinbarung

Mit dem Absenden Ihrer Anfrage erklären Sie sich mit der Verarbeitung Ihrer angegebenen Daten zum Zweck der Bearbeitung Ihrer Anfrage einverstanden. Datenschutzerklärung und Widerrufshinweis